In diesem Jahr wird Fedderwardersiel Lernort in dem Projekt „Lernen und Arbeiten in der Fischwirtschaft“, welches von der Universität Vechta geleitet wird. Ziel des Projektes ist der nähere Umgang und ein umfangreicheres Verständnis für die Fischerei an der Niedersächsischen Nordseeküste- besonders für junge Menschen. In diesem Sinne bieten verschiedene Schulen und andere Bildungseinrichtungen Veranstaltungen zu möglichst praxisorientierter Forschung an.

Auch wenn die Fischerei eine lange Tradition in Butjadingen hat, werden heutzutage vor allem Garnelen (auch Krabben genannt) und Miesmuscheln gefischt. In den letzten Jahren brachten die Kutter rund 14.800 Tonnen Garnelen, Muscheln und Fische an Land. Somit erwirtschaftete die niedersächsische Küstenfischerei eine Wertschöpfung von rund 20 Millionen Euro. Die Schiffe fischen mit Grundschleppnetzen, wobei nur leichte Scheuchketten eingesetzt werden, die den Meeresboden nicht umpflügen, um andere Fische und Bodentiere nicht zu verletzen oder töten.
In den vergangenen Jahren konnten auch weitere Maßnahmen zum Schutz des Ökosystems Wattenmeer eingeführt werden. So erfolgt die Miesmuschelfischerei seit 1999 auf der Grundlage eines Bewirtschaftungsplans, der von den Niedersächsischen Ministerien für jeweils 5 Jahre neu aufgestellt wird. Miesmuscheln werden nicht mehr von Wildbänken, sondern lediglich von speziell angelegten Kulturflächen (Baumkurrenfischerei) befischt, um Eingriffe in das Ökosystem weitgehend zu vermeiden.

Allerdings wird das Thema nicht nur optimistisch betrachtet. Wissenschaftler:innen vermuten, dass bereits vor Jahrzehnten ein irreparabler Schaden durch die Krabbenfischerei ausgelöst worden sei. Sie erklären unter anderem das weitgehende Verschwinden von Seemoos, Sandkorallen und anderen festsitzenden Bodentieren mit der Baumkurrenfischerei.
Seit 2017 gibt es daher das unabhängige MSC- Siegel (Marine Stewartship Council) als Zertifikat für eine ökologisch verträgliche Fischerei. Um das Zertifikat zu erhalten, muss die Nachhaltigkeit nachgewiesen werden. Für die Krabbenfischerei ist das nicht unbedingt einfach, da unter anderem genaue Kenntnisse über den Bestand und dessen Entwicklung erfordert sind. Der Nachweis wird dann meist durch eine Art Vorsorgemaßnahmen erbracht, wie das freiwillige Nicht-Befischen einiger Flächen. Das MSC-Zertifikat soll somit die Grundlage für den langfristigen Schutz des Nordseekrabbenbestands und den sorgsamen Umgang mit dem Ökosystem Wattenmeer schaffen.

Die DUH (Deutsche Umwelthilfe) fordert dennoch strengere Prüfungen in der Fischerei. Durch das regelmäßige Aufwühlen des Meeresbodens durch die Grundschleppnetze würden empfindliche Lebensgemeinschaften am Boden wie Muschelbänke, Seegraswiesen oder Sandkorallen-Riffe zerstört werden oder ganz verschwinden. Zudem bestehe ein zu großer Beifang, der schließlich teils mit starken Verletzungen zurück ins Meer geworfen werde.
Auch wenn es in den letzten Jahrzehnten Verbesserungen in den Schutzmaßnahmen der Befischung des Wattenmeers gab, stehen noch vier weitere Möglichkeiten offen. Das Ökosystem Wattenmeer mit seinen besonderen Facetten ist auf dieser Welt einmalig und bedarf uneingeschränkten Schutz und Wertschätzung. Ziel des Projektes „Leben und Arbeiten in der Fischwirtschaft“ ist also genau dieser beidseitige Austausch für einen nachhaltigen Kompromiss zwischen Fischerei und Naturschutz für zukünftige Generationen.







































